Der Ellenhof

(ehemaliger Gutshof der Grafen von Bodeck)
 
 

Der Ellenhof, im Sprachgebrauch auch "Wallerhof" genannt, war ein Gutshof zwischen Unterspiesheim und Gernach. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Gutshof im Jahre 1141, wo er als "Eulendorff" in Erscheinung tritt. Im Jahre 1797 soll der Gutshof abgebrannt und wieder aufgebaut worden sein. Eine andere Quelle nennt dieses Datum als Errichtung des Hofes und bezeichnet ihn als "Erlachshof".

Fest steht, dass der Gutshof den Grafen von Bodeck gehörte, welche ihn seit 189x bis zum Abbruch 1902 und dessen Versteigerung verpachteten. Letzter Pächter war Hans Böhm. Dieser wollte 1902 den Ellenhof käuflich erwerben. Die alte Gräfin von Bodeck hatte in ihrem Testament jedoch festgelegt, dass der Hof abgebrochen und das Feld verstrichen werden solle. Er solle an die Bürger von Gernach fallen, da diese am meisten auf dem Hof gearbeitet hätten. Die Namen der Familien, welche auf dem Gutshof ihre Bleibe hatten, tauchen in regelmäßigen Abständen auch in den Kirchenbüchern der Pfarrei Heidenfeld/Gernach auf.

Anlässlich der Versteigerung wurde das Feld in neue Parzellen eingeteilt und veräußert. Die Hofgebäude wurden ebenfalls versteigert. Alle Gebäude des Hofes wurden den Gernachern für 5000 M angeboten. Sie nahmen diese um den Preis und beschlossen, die Gebäude wieder einzeln weiter zu versteigern. Dies brachte einen Erlös von 10500 M.

Das Wohnhaus kaufte Bauer Münch aus Brünnstadt. Die Stallungen wurden von Gernacher Bürgern ersteigert. Der Futterboden, Viehstall, Schweizerwohnung, Getreideboden vom Darlehens-Kassenverein Gernach ersteigert, abgebrochen und wieder so auf Gemeindegelände als "Regie" zur gemeindlichen Bullenhaltung (ab 1994 Feuerwehrhaus) aufgebaut. Die Scheunen wurden ersteigert von Gernacher Bürgern welche diese zum Aufbau bzw. zur Vergrößerung ihrer eigenen Scheunen verwendeten.

Der gemauerte Brunnen des Gutshofes wurde ausgegraben und auf dem Hof einer Gernacher Familie wieder neu gesetzt. Bis heute ist die alte Quelle im Gebiet des Ellenhof erhalten geblieben und wird ab und an noch genutzt.

Das Gebiet des Ellenhofes liegt heute in der Heidenfelder Flur. Der Hof umfasste beim Abbruch ca. 84 ha Ackerfläche. Das gesamte Gebiet um den Ellenhof war früher von Wald umgeben. Daher würde sich auch der Name "Eullendorf" und dessen spätere Abwandlung in Ellenhof erklären. Man geht heute davon aus, dass der "hintere Ellenhof" (ab dem Waldrand) gerodet wurde, da man seinerzeit den Feldanbau vergrößern wollte. Lediglich das Unterspiesheimer "Hirtenhölzchen" ist stehen geblieben, da es anscheinend nicht zum Besitz gehörte...

Quellen:
Buch: "Zwischen Main und Steigerwald"
Gernacher Dorfchronik
Diozösanarchiv Würzburg




online seit 13. September 2004 Rechtlicher Hinweis!